Stolperdrähte

Stolperdrähte, überall
unsichtbar liegen und hängen sie
lassen mich straucheln, stolpern, fallen
haken sich an meinen Füssen fest
klammern sich an mich

und immer verbirgt sich dahinter
ein dunkles Loch.

Streu Glitzer

Streu Glitzer auf die Maske
dann hören sie deine Schreie nicht

Streu Glitzer auf die Pflaster
dann sehen sie deine Narben nicht

Streu Glitzer auf das Dornenkleid
dann spüren sie deinen Schmerz nicht

Doch du
hörst deine Schreie
siehst deine Narben
spürst deinen Schmerz
und kein Glitzer kann all das
jemals zudecken

Sie streuen Glitzer auf deinen Sarg
dann sehen sie das Elend nicht

#frapalymo 25/30


Was frau paulchen schreibt:
wie erwartet lautet der impuls für das #frapalymo gedicht am 25. november: „doppelimpuls, teil 2: glitzer“.

Hinter Dornenhecken

Die gute Miene und das fröhliche Gesicht in G-Dur
sind für die da draußen
damit keiner fragt und niemand lacht

über die Gefühle und Sehnsüchte in e-moll
die in meinem Inneren
hinter dornigen Hecken versteckt sind.

#frapalymo 15/30


Was frau paulchen schreibt:
der impuls für das #frapalymo gedicht am 15. november lautet: „medientransfer musik: schreibt ein gedicht zu diesem stück“.

Im Gegensatz zu Klaus aka @Reticulum, von dem der Impuls zu diesem Impuls kam, habe ich mich für eine Aufnahme von Martha Argerich entschieden, weil ich ihre Interpretation von Schumann noch lieber mag als die von Clara Haskil.

Die Noten dazu kann man / frau hier mitlesen.

Unterm Holderbusch

Es dauert nur einen Moment
Vom Griff ins Regal
Das Buch in die Hand
Aufgeschlagen irgendwo
Ich bin wieder Kind.

Sehe die Bilder
Geruch in der Nase
Geräusche weit weg
Vergraben in eine andere Welt
Ohne Angst und Wut.

Lese die Verse
Seit langem vertraut
Fühle wie damals
Erinner das einsame Kind
Und spende ihr Trost.

#frapalymo 8/30


Was frau paulchen schreibt:
der #frapalymo impuls für das gedicht am 8. november lautet: „sucht euch einen namen eines autobahnparkplatzes aus und dichtet dazu“.


a) „Wacholderbusch“ ist der Name einer Raststätte in der Nähe von Wertheim
b) „Unterm Holderbusch“ ist der Titel eines Kinderbuches mit alten Kinderreimen (zuerst erschienen 1937), illustriert von Ruthild Busch-Schumann, die die Patin meiner Mutter war. Ich bekam das Buch zu meinem 3.Geburtstag.

Schwarzer Sturm

Wild
treibt der Sturm
die Wolken vor sich her
zerrt an mir
rüttelt mich

Wild
rasen die Wolken
über mich hin
drängen sich zusammen
drohen mir

Wild
türmt sich das Meer
zu riesigen Wellen
brechen vor meinen Füßen
locken mich

Wild
tobt der Sturm
in meinem Inneren
bricht sich Bahn
schreit hinaus

#frapalymo 6/30


Was frau paulchen schreibt:
der impuls für das gedicht am 6. november lautet: „medientransfer fotografie: nutzt dieses foto von @rtopnb als impuls für euer schreiben“.

Um kein einziges Urheberrecht zu verletzen, habe ich mich entschieden, das Foto von Muriel Debernard, das uns hier als Impuls diente, nicht zu veröffentlichen und statt dessen eines meiner eigenen zu nutzen. Der Titel ihres Fotos („Black Storm“) ist jedoch geblieben.

Ich zähle die Regentropfen

Ich zähle die Regentropfen
an den Zweigen des kahlen Baumes im trüben Novemberlicht.
Wie zart sie erscheinen, wie schillernd
in ihrer Zerbrechlichkeit,
nicht viel mehr als Hülle um ein kleines Nichts.

Ich staune über die Kraft, mit der sie sich klammern
an den schwankenden Grund
als wären sie hier für die Ewigkeit,
und warte auf den Moment,
in dem sie sich lösen mit einem unhörbaren „Plopp“
und zu Boden fallen.

So
fühlt es sich an in der Welt zwischen Lachen und Tränen,
zwischen Brücke und Graben.
Wenn du glaubst, dass du es jetzt geschafft hast
und dass du dir Sicherheit erkämpft hast unter Schmerzen
und endlich belohnt wirst für all die Mühe.

Und wenn du dennoch weißt, dass es nicht von Dauer ist,
dass die Balance nur eine Frage des Zufalls ist
und dann ein Windstoß genügt,
damit du dich löst mit einem nur für dich hörbaren „Plopp“
und wieder einmal zu Boden fällst.

#frapalymo 1/30


Was frau paulchen schreibt:
der impuls für das gedicht am 1. november lautet: „die erste zeile ist für alle gleich“. […] beginnt also euer gedicht bitte alle mit der folgenden zeile aus hilde domins gedicht „abzählen der regentropfenschnur“ und lasst euch zu eigenen bildern treiben. die erste ziele lautet: „ich zähle die regentropfen an den zweigen“.

Warten

Manchmal
stehe ich stundenlang
am Fenster
und warte auf einen Menschen
der mich rausholt
aus meinem
Gedanken-Labyrinth

dabei
bin ich doch schon lange da.

(geschrieben am 04.06.1983, noch immer gültig)

Stille

Wenn im Kopf alles still ist und leer,
wenn keine Bilder und Wörter zwischen den Synapsen hin und her springen,
wenn die Gehirnwindungen sich zusammen mit dem Körper entspannen,
wenn auch die Gefühle mal Pause machen:

das stell ich mir schön vor.