Unterm Holderbusch

Es dauert nur einen Moment
Vom Griff ins Regal
Das Buch in die Hand
Aufgeschlagen irgendwo
Ich bin wieder Kind.

Sehe die Bilder
Geruch in der Nase
Geräusche weit weg
Vergraben in eine andere Welt
Ohne Angst und Wut.

Lese die Verse
Seit langem vertraut
Fühle wie damals
Erinner das einsame Kind
Und spende ihr Trost.

#frapalymo 8/30


Was frau paulchen schreibt:
der #frapalymo impuls für das gedicht am 8. november lautet: „sucht euch einen namen eines autobahnparkplatzes aus und dichtet dazu“.


a) „Wacholderbusch“ ist der Name einer Raststätte in der Nähe von Wertheim
b) „Unterm Holderbusch“ ist der Titel eines Kinderbuches mit alten Kinderreimen (zuerst erschienen 1937), illustriert von Ruthild Busch-Schumann, die die Patin meiner Mutter war. Ich bekam das Buch zu meinem 3.Geburtstag.

Sehnsucht im Herbst | saudade no outono

So manches Mal im Herbst
wenn das Licht golden wird und die Sonne schon Abschied nimmt
wenn die Luft würzig, kalt und nach Äpfeln riecht
wenn dicke weiße Wolkenberge sich am stahlblauen Himmel türmen
wenn die Meere rauer werden und die Stürme kommen –

dann möcht ich, so schön es auch ist, gen Süden fliegen
in die andere Heimat, die mein Herz sich erkoren.
Noch einmal Wärme in den alten Knochen speichern
noch einmal den Fado hören und die Sehnsucht erneuern
noch einmal am Leuchtturm stehen und bis nach Amerika schauen –

und dann einfach da bleiben.

#frapalymo 7/30


Was frau paulchen schreibt:
der impuls für das gedicht am 7. november lautet: „nutzt folgenden tweet von @silemarlin als impuls für euren text: „herbstlicht auf den dächern / schatten werden länger / in der brust vogelschwärme*“.

Schwarzer Sturm

Wild
treibt der Sturm
die Wolken vor sich her
zerrt an mir
rüttelt mich

Wild
rasen die Wolken
über mich hin
drängen sich zusammen
drohen mir

Wild
türmt sich das Meer
zu riesigen Wellen
brechen vor meinen Füßen
locken mich

Wild
tobt der Sturm
in meinem Inneren
bricht sich Bahn
schreit hinaus

#frapalymo 6/30


Was frau paulchen schreibt:
der impuls für das gedicht am 6. november lautet: „medientransfer fotografie: nutzt dieses foto von @rtopnb als impuls für euer schreiben“.

Um kein einziges Urheberrecht zu verletzen, habe ich mich entschieden, das Foto von Muriel Debernard, das uns hier als Impuls diente, nicht zu veröffentlichen und statt dessen eines meiner eigenen zu nutzen. Der Titel ihres Fotos („Black Storm“) ist jedoch geblieben.

Enttäuschung

Der Traum nur Schaum
wie Gischt auf dem Meer

Worte der Liebe
in Wahrheit nur Lüge

Erinnerung die Säge
die Wunden in Herzen reißt

Der Rest des Lebens
wie Gehen auf Planken über Gräben

Enttäuschung
ist mehr als ein Wort.

#frapalymo 4/30


Was frau paulchen schreibt:
der impuls für das gedicht am 4. november lautet wenig überraschend: „doppelimpuls, teil 2: substantive“.

Rasende Welt

hupen
schreien
bellen
klingeln
kreischen
rauschen
grölen
klirren
krachen
heulen
johlen
donnern
zischen

rasend und laut
zu laut
ist die Welt

zum Glück
kann ich die Tür
schließen.

#frapalymo 3/30


Was frau paulchen schreibt:
der impuls für das gedicht am 3. november lautet: „doppelimpuls, teil 1: verben“.

Das Spinnrad

Umhüllt von einem Gespinst
aus feinsten Spinnwebfäden
steht das alte Spinnrad meiner Mutter
auf dem Dachboden
und erinnert mich an die Geschichten
die in früheren Zeiten
während des Spinnens der Seidenfäden
als Traumgespinste in ihrem Kopf entstanden.

Sie hat mich das Spinnen nie gelehrt,
doch ihre Träume spinne ich seit langem schon
als eigene Gespinste weiter.
Von einem Leben am Meer
und Reisen durch die Lüfte,
von Musik und Klängen, die
wie zarte Spinnenweben
an den Gefühlen kleben.

Von Menschen, die bleiben,
vom Altwerden im Glück
und Träumen, die sich erfüllen.
Ach, schöne Hirngespinste,
was wär ich ohne euch!
Rettet ihr mich doch immer wieder davor,
wie damals meine Mutter
das Leben schon vor dem Ende aufzugeben.

#frapalymo 2/30


Was frau paulchen schreibt:
der impuls für das gedicht am 2. november lautet: „gespinste“ – nach einem tweet von klaus aka @reticulum.

Ich zähle die Regentropfen

Ich zähle die Regentropfen
an den Zweigen des kahlen Baumes im trüben Novemberlicht.
Wie zart sie erscheinen, wie schillernd
in ihrer Zerbrechlichkeit,
nicht viel mehr als Hülle um ein kleines Nichts.

Ich staune über die Kraft, mit der sie sich klammern
an den schwankenden Grund
als wären sie hier für die Ewigkeit,
und warte auf den Moment,
in dem sie sich lösen mit einem unhörbaren „Plopp“
und zu Boden fallen.

So
fühlt es sich an in der Welt zwischen Lachen und Tränen,
zwischen Brücke und Graben.
Wenn du glaubst, dass du es jetzt geschafft hast
und dass du dir Sicherheit erkämpft hast unter Schmerzen
und endlich belohnt wirst für all die Mühe.

Und wenn du dennoch weißt, dass es nicht von Dauer ist,
dass die Balance nur eine Frage des Zufalls ist
und dann ein Windstoß genügt,
damit du dich löst mit einem nur für dich hörbaren „Plopp“
und wieder einmal zu Boden fällst.

#frapalymo 1/30


Was frau paulchen schreibt:
der impuls für das gedicht am 1. november lautet: „die erste zeile ist für alle gleich“. […] beginnt also euer gedicht bitte alle mit der folgenden zeile aus hilde domins gedicht „abzählen der regentropfenschnur“ und lasst euch zu eigenen bildern treiben. die erste ziele lautet: „ich zähle die regentropfen an den zweigen“.

#frapalymo 2017

30 Tage, 30 Gedichte, no excuses.

Ob ich da mal mitmachen sollte? Trau ich mir das zu? Ich trau mir das zu, ich mach da mit!