Unsichtbar

Treppauf treppab
immer in Eile
immer beschäftigt
was als nächstes
wo fehlt es noch
die braucht das und
der will jenes
treppab treppauf
mit Wäsche, Krams und Sorgen
und ohne Ruh und Rast

Ich saß dort
in der Ecke
auf der Treppe
und habe gewartet.
Doch Mutter
hat mich
nicht gesehen.

#frapalymo 2018 7/30


Was frau paulchen schreibt: der impuls für das gedicht am 7. november lautet: „medientransfer: schreibt ein gedicht zu diesem geräusch (treppensteigen)“.

Meerkraft

Die Kraft, die entsteht
wenn abertausende kleinste Wasserteile
sich vereinen zu einem
schier endlosen Meer
und ohne Unterlass
in ewigem Vor und Zurück
die Strände versuchen
zu brechen:

Ich wünschte, ich hätte
wie die Brandung des Meeres
diese unermüdliche Kraft
um zu kämpfen
gegen die Dämonen aus der Vergangenheit
die versuchen, mich
zu brechen.

#frapalywo 8/2018, Tag 4


Was Frau Paulchen schreibt:
der impuls für text 4 lautet: „brandung“.

Unterm Holderbusch

Es dauert nur einen Moment
Vom Griff ins Regal
Das Buch in die Hand
Aufgeschlagen irgendwo
Ich bin wieder Kind.

Sehe die Bilder
Geruch in der Nase
Geräusche weit weg
Vergraben in eine andere Welt
Ohne Angst und Wut.

Lese die Verse
Seit langem vertraut
Fühle wie damals
Erinner das einsame Kind
Und spende ihr Trost.

#frapalymo 8/30


Was frau paulchen schreibt:
der #frapalymo impuls für das gedicht am 8. november lautet: „sucht euch einen namen eines autobahnparkplatzes aus und dichtet dazu“.


a) „Wacholderbusch“ ist der Name einer Raststätte in der Nähe von Wertheim
b) „Unterm Holderbusch“ ist der Titel eines Kinderbuches mit alten Kinderreimen (zuerst erschienen 1937), illustriert von Ruthild Busch-Schumann, die die Patin meiner Mutter war. Ich bekam das Buch zu meinem 3.Geburtstag.

Das Spinnrad

Umhüllt von einem Gespinst
aus feinsten Spinnwebfäden
steht das alte Spinnrad meiner Mutter
auf dem Dachboden
und erinnert mich an die Geschichten
die in früheren Zeiten
während des Spinnens der Seidenfäden
als Traumgespinste in ihrem Kopf entstanden.

Sie hat mich das Spinnen nie gelehrt,
doch ihre Träume spinne ich seit langem schon
als eigene Gespinste weiter.
Von einem Leben am Meer
und Reisen durch die Lüfte,
von Musik und Klängen, die
wie zarte Spinnenweben
an den Gefühlen kleben.

Von Menschen, die bleiben,
vom Altwerden im Glück
und Träumen, die sich erfüllen.
Ach, schöne Hirngespinste,
was wär ich ohne euch!
Rettet ihr mich doch immer wieder davor,
wie damals meine Mutter
das Leben schon vor dem Ende aufzugeben.

#frapalymo 2/30


Was frau paulchen schreibt:
der impuls für das gedicht am 2. november lautet: „gespinste“ – nach einem tweet von klaus aka @reticulum.