Kostbar

Hell leuchtende Sonnenstrahlen
warmes Bunt der Blätter
tiefblauer Himmel mit
dicken weißen Wattewolkenbergen

Ich sammle kostbare Momente:
der Winter will
überlebt werden.

Meerkraft

Die Kraft, die entsteht
wenn abertausende kleinste Wasserteile
sich vereinen zu einem
schier endlosen Meer
und ohne Unterlass
in ewigem Vor und Zurück
die Strände versuchen
zu brechen:

Ich wünschte, ich hätte
wie die Brandung des Meeres
diese unermüdliche Kraft
um zu kämpfen
gegen die Dämonen aus der Vergangenheit
die versuchen, mich
zu brechen.

#frapalywo 8/2018, Tag 4


Was Frau Paulchen schreibt:
der impuls für text 4 lautet: „brandung“.

Früher Morgen am See

Wie sanfte Seide der See
schmeichelnd fließend über dunklem Grund
liegt still im Licht des Morgens
ist Spiegel des Himmels
in seiner endlosen hellblauen Weite

Hier bin ich
ganz neu wieder Ich.

Glücksmomente, gesammelt
und in der Seele verwahrt.
Alles kann, alles darf.
Mit dir neben mir
erwacht die Fantasie zur Wirklichkeit.

#frapalywo 8/2018, Tag 3


Was Frau Paulchen schreibt:
der impuls für text 3 lautet: „da ist ein see im himmel“.

Inselzeit

Die Wochen voll mit
Terminen, Aufgaben, Druck
Keine Zeit für mich
Keine Zeit für irgendwas
Müde, so müde

Früh am Morgen
streckt eine bleiche Sonne ihre Finger
sanft unter Wolken hervor
Zeit für die Insel
Zeit für mich selbst

Die Spur der Wellen am Strand
zeichnet den Weg
den meine Füße gehen
ohne zu denken
In meiner eigenen Zeit

Ich atme
Ich lebe

#frapalywo 8/2018, Tag 1


Was Frau Paulchen schreibt:
der impuls für text 1 lautet: „strandläufer“.

#FrapalyWo 8/2018

Es ist wieder Lyrikzeit bei Frau Paulchen!
Diesmal dauert es eine Woche oder genauer: 7 Tage, 7 Texte, 1 Thema. Dieses Oberthema lautet „Wasser und Weite“; jeden Tag gibt es dazu einen neuen Impuls, zu dem neue Worte gefunden werden wollen.

Wer mehr wissen möchte oder lesen, was die anderen so schreiben: hier geht’s zu Frau Paulchen.

Suchmeldung

Irgendwo zwischen Lübeck und Hamburg
liegt eine Euphorie auf den Gleisen.
Ich hab sie letzte Woche dort verloren
zusammen mit Zuversicht und Vertrauen.

Wer die drei findet, behandle sie gut:
sie sind so gut wie neu
und bisher kaum erprobt.

Bei Gelegenheit
würd ich sie allerdings gern wieder haben.

Freier Fall

Von 160 auf 0 in 2einhalb Stunden.
Allein. Wieder
allein.

Als hätte jemand die
frisch verheilte Wunde
in meinem Herz
wieder aufgerissen
und nichts von dem, was ich neu gelernt habe,
taugt als Pflaster.

Ich falle
falle
tief
tiefer.

Halt mich!
Halt mich fest!

Allein. Keiner mehr
da
am Ende
wie immer.

PMR Malenter Art

Wenn das Signalwort kommt,
aktivieren Sie bitte Ihren verkümmerten Herzmuskel.

Anspannen — jetzt.

Wie hätte ich ahnen können,
dass da mit Dir Einer sein wird,
der mir gut tut
der mich sieht
der mich gar mag?
Ich wollte das nicht.
Ich hatte ganz andere Themen.

Und halten —

Aber es tut gut
gesehen zu werden
gemocht zu werden
getragen zu werden für ein Stück Weg.

halten —-

Und es tut gut
zu sehen
zu mögen
zu tragen für ein Stück Weg.

halten —

Ich möchte behalten, was da ist.
Ich möchte mehr von dem, was da ist.
Ich möchte mitnehmen, was da ist.
Du nicht.
Du nicht?

Und lösen —-

Siehst du noch?
Magst du noch?
Trägst du noch, gemeinsam mit mir, was da ist?
Oder entfernst du dich bereits?

Nachspüren —

So schnell
so vertraut.
Bin ich zu nah?
Will ich zuviel?
Was willst Du?

Und los lassen —

Ich lasse dich
los.

Ich vermisse dich.

Für den weltbesten Vorausfahrer

Dass du so
unvermittelt
von ganz tief
so herzlich lachen kannst:
das mag ich an dir
(und vieles mehr).

Dass wir so manches Mal
still schweigend
einer Meinung sind,
dass wir unseren Wert
schätzen
ohne Bewertung,
dass wir friedlich
und so vertraut
miteinander nebeneinander sein können,
dass wir aneinander denken
und füreinander sorgen
ohne falsche Gedanken:
dafür bin ich dankbar.

Dass du
ein sicheres Boot findest
und die Zuversicht
dass sich der
für dich richtige
Weg zeigen wird:
das wünsche ich dir.

Traumlos schlafen

Traumlos schlafen
endlos
oder wenigstens
durch zwei Nächte
und den ganzen Tag
dazwischen

um die bleigraue
Müdigkeit
zu vertreiben
die mich jeden Tag
und immer wieder
für einen Moment
oder noch viel länger
hinunter zieht
in den Schacht
ohne Licht.

Ich wache auf.
Ich bin so müde.

Herzenswunsch

Ich möchte nach getaner Arbeit
dort in der Sonne sitzen,
die Oliven und die Schafe zählen
und wissen, was wichtig ist.

Ich möchte den Wind im Haar
und das Salz des Meeres in der Nase
das farbige Leuchten der Hauswände im Abendlicht
und wissen, was die Seele braucht.

Ich möchte zufrieden
und endlich in Frieden sein
mit mir – und mit Dir
und wissen, was bis zum Ende reicht.

Stolperdrähte

Stolperdrähte, überall
unsichtbar liegen und hängen sie
lassen mich straucheln, stolpern, fallen
haken sich an meinen Füssen fest
klammern sich an mich

und immer verbirgt sich dahinter
ein dunkles Loch.

Am Ende

Am Ende
ist jede allein.

Bei manch einer
kommt das Ende
mit dem Alleinsein
und dauert dann sehr lange.

Eine Handvoll Herz

In der finstersten Zeit meines Lebens
fandest du den Weg zu mir
– oder doch ich zu dir?
Vor dir machten sich andre Dinge breit,
buhlten um meine Beachtung
mit allerlei Pomp und Tand und Siehmichan!
Doch das war noch nie
was mein Auge, meine Hand ersehnt:
deine Schlichtheit ist so viel mehr
als Glitzer je mir geben könnte.
Deine Oberfläche schmeichelnd weich,
deine Form rund und spitz zugleich,
passt du perfekt in meine Hand.
Fester Begleiter in Not und Glück
bist du für mich geworden,
an dir halt ich mich fest –
du gibst mir Halt,
mein Herz aus Holz.

#frapalymo 30/30


Was frau paulchen schreibt:
der impuls für das #frapalymo gedicht am 30. november lautet: „was in eine hand passt“.

All die Worte

All die Worte

die harten
die falschen
die bösen und
die lauten
die dahin gesagten
die an den Kopf geworfenen
die vor Spott triefenden
die, die im Streit verletzen
und die, die die Wahrheit verdrehen sollten

Sie gruben
wie mit schweren Pflügen
tiefe Narben in die Seele

Sie machten dich glauben
dass du die Schuld trägst
an dem

was dich erfriert
dich lähmt
dich quält
dich verstört
dich zerfrisst
dich von dir selbst entzweit

Liebe
wäre auch eine Möglichkeit gewesen
Spuren zu hinterlassen

#frapalymo 29/30


Was frau paulchen schreibt:
der impuls für das #frapalymo gedicht am 29. november lautet: „sichtbare spuren“.