Dünnhäutig

Manchmal
wache ich auf und spüre,
dass sich meine Haut
über Nacht
auf ein Zehntel verdünnt hat.

Wenn mir dann einer
mit Liebe begegnet,
reißt sie genau
an der Stelle über dem Herzen
und ich ertrinke im Fühlen.

#frapalymo 2018 9/30


Was frau paulchen schreibt: der impuls für das gedicht am 9. november lautet: „nächte, die einen durchsichtigen riss in der haut hinterlassen.“ – nach einem tweet vom 23.10. von @meernotizen

Vielleicht

Manchmal schält sich
aus allen Gedanken, die
Tag und Nacht hin
und her und im Kreis
durch meinen Kopf fliegen
eine kleine
Hoffnung heraus

Dass das Denken
eines Tages etwas
ändert
an meinen Gedanken
und sich das
viel von dem leicht
trennt
und das Denken
vielleicht
wieder eine gute
Richtung nimmt.

#frapalymo 2018 8/30


Was frau paulchen schreibt: der impuls für das gedicht am 8. november lautet: „können sie ohne hoffnung denken?“ – inspiriert durch eine frage aus max frischs „fragebogen“.


Unsichtbar

Treppauf treppab
immer in Eile
immer beschäftigt
was als nächstes
wo fehlt es noch
die braucht das und
der will jenes
treppab treppauf
mit Wäsche, Krams und Sorgen
und ohne Ruh und Rast

Ich saß dort
in der Ecke
auf der Treppe
und habe gewartet.
Doch Mutter
hat mich
nicht gesehen.

#frapalymo 2018 7/30


Was frau paulchen schreibt: der impuls für das gedicht am 7. november lautet: „medientransfer: schreibt ein gedicht zu diesem geräusch (treppensteigen)“.

Morgen

So viel
zu schwer
die Steine
auf der Brust
die den Atem nehmen
das grelle Licht
am Ende
lähmt
jedes Gehen
jedes Denken
jedes Handeln
zu viel

Aber morgen
werde ich
wieder
einen Tag
überlebt haben.

#frapalymo 2018 3/30


Was frau paulchen schreibt:
der impuls für das gedicht am 3. november lautet: „morgen“.

Dreisamkeit

Kein Tisch, kein Stuhl
vermag zu stehen
auf nur zwei Beinen.

Nur wenn zu Höhe und Breite
die Tiefe sich gesellt
entsteht Raum.

Hoffnung und Mut
sind nichts
ohne Vertrauen
im Kampf gegen
Angst, Einsamkeit und
Verzweiflung.

Nur im Dreierbund
entsteht eine Balance
für den sicheren Stand.

#frapalymo 2018 2/30


Was frau paulchen schreibt:
der impuls für das gedicht am 2. november lautet: „die zahl drei/3“


Ach, Liebe

Wie liebte ich dich!
Mein Ein, mein Alles. Ganz Du.
Flammen auf unserer Haut
tanzend durch Worte und Nächte
nach Verschmelzung suchend
in den Gedanken des Anderen.

Die Liebe
ist ein Hemd aus Feuer.
Ich brannte lichterloh
Verbrannte Haut und Seele
Streute Asche über die Wunden.

Ach, Liebe.

#frapalymo 2018 1/30


Was frau paulchen schreibt:
der impuls für das gedicht am 1. november lautet: „siehst du den mond über soho*? – schreibt ein liebesgedicht (im stil oder auch nicht von *bertolt brecht)“


Kostbar

Hell leuchtende Sonnenstrahlen
warmes Bunt der Blätter
tiefblauer Himmel mit
dicken weißen Wattewolkenbergen

Ich sammle kostbare Momente:
der Winter will
überlebt werden.

Verankert

In eines anderen Menschen Herzen
so fest verankert sein
dass nicht Sturm noch Flaute
uns zerreissen könnte
und doch genügend Spielraum bleibt
um zu tanzen mit Wind und Wellen —

Ich treibe hinaus
ins Meer meiner Sehnsucht

#frapalywo 8/2018, Tag 7


Was Frau Paulchen schreibt:
der impuls für text 7 lautet: „verankert“.

Uferlos

Leben
als gäb es kein Ufer
das unseren Träumen
alltägliche Grenzen setzt
als könnten wir
alleine durch’s Wollen
den Berg ans Ende der Welt
und die Liebe
in alle Herzen bringen.

#frapalywo 8/2018, Tag 5


Was Frau Paulchen schreibt:
der impuls für text 5 lautet: „uferlos“.

Meerkraft

Die Kraft, die entsteht
wenn abertausende kleinste Wasserteile
sich vereinen zu einem
schier endlosen Meer
und ohne Unterlass
in ewigem Vor und Zurück
die Strände versuchen
zu brechen:

Ich wünschte, ich hätte
wie die Brandung des Meeres
diese unermüdliche Kraft
um zu kämpfen
gegen die Dämonen aus der Vergangenheit
die versuchen, mich
zu brechen.

#frapalywo 8/2018, Tag 4


Was Frau Paulchen schreibt:
der impuls für text 4 lautet: „brandung“.

Früher Morgen am See

Wie sanfte Seide der See
schmeichelnd fließend über dunklem Grund
liegt still im Licht des Morgens
ist Spiegel des Himmels
in seiner endlosen hellblauen Weite

Hier bin ich
ganz neu wieder Ich.

Glücksmomente, gesammelt
und in der Seele verwahrt.
Alles kann, alles darf.
Mit dir neben mir
erwacht die Fantasie zur Wirklichkeit.

#frapalywo 8/2018, Tag 3


Was Frau Paulchen schreibt:
der impuls für text 3 lautet: „da ist ein see im himmel“.

Inselzeit

Die Wochen voll mit
Terminen, Aufgaben, Druck
Keine Zeit für mich
Keine Zeit für irgendwas
Müde, so müde

Früh am Morgen
streckt eine bleiche Sonne ihre Finger
sanft unter Wolken hervor
Zeit für die Insel
Zeit für mich selbst

Die Spur der Wellen am Strand
zeichnet den Weg
den meine Füße gehen
ohne zu denken
In meiner eigenen Zeit

Ich atme
Ich lebe

#frapalywo 8/2018, Tag 1


Was Frau Paulchen schreibt:
der impuls für text 1 lautet: „strandläufer“.

#FrapalyWo 8/2018

Es ist wieder Lyrikzeit bei Frau Paulchen!
Diesmal dauert es eine Woche oder genauer: 7 Tage, 7 Texte, 1 Thema. Dieses Oberthema lautet „Wasser und Weite“; jeden Tag gibt es dazu einen neuen Impuls, zu dem neue Worte gefunden werden wollen.

Wer mehr wissen möchte oder lesen, was die anderen so schreiben: hier geht’s zu Frau Paulchen.

Suchmeldung

Irgendwo zwischen Lübeck und Hamburg
liegt eine Euphorie auf den Gleisen.
Ich hab sie letzte Woche dort verloren
zusammen mit Zuversicht und Vertrauen.

Wer die drei findet, behandle sie gut:
sie sind so gut wie neu
und bisher kaum erprobt.

Bei Gelegenheit
würd ich sie allerdings gern wieder haben.

Freier Fall

Von 160 auf 0 in 2einhalb Stunden.
Allein. Wieder
allein.

Als hätte jemand die
frisch verheilte Wunde
in meinem Herz
wieder aufgerissen
und nichts von dem, was ich neu gelernt habe,
taugt als Pflaster.

Ich falle
falle
tief
tiefer.

Halt mich!
Halt mich fest!

Allein. Keiner mehr
da
am Ende
wie immer.

PMR Malenter Art

Wenn das Signalwort kommt,
aktivieren Sie bitte Ihren verkümmerten Herzmuskel.

Anspannen — jetzt.

Wie hätte ich ahnen können,
dass da mit Dir Einer sein wird,
der mir gut tut
der mich sieht
der mich gar mag?
Ich wollte das nicht.
Ich hatte ganz andere Themen.

Und halten —

Aber es tut gut
gesehen zu werden
gemocht zu werden
getragen zu werden für ein Stück Weg.

halten —-

Und es tut gut
zu sehen
zu mögen
zu tragen für ein Stück Weg.

halten —

Ich möchte behalten, was da ist.
Ich möchte mehr von dem, was da ist.
Ich möchte mitnehmen, was da ist.
Du nicht.
Du nicht?

Und lösen —-

Siehst du noch?
Magst du noch?
Trägst du noch, gemeinsam mit mir, was da ist?
Oder entfernst du dich bereits?

Nachspüren —

So schnell
so vertraut.
Bin ich zu nah?
Will ich zuviel?
Was willst Du?

Und los lassen —

Ich lasse dich
los.

Ich vermisse dich.

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